Fahrt nach Khiva

Gestern war einiges geboten auf dem Weg von Buchara nach Khiva. Sandsturm, Regenschauer und 480 km auf einer Piste, auf der ich mich fühlte wie im Inneren eines Cocktail Shakers, von Stefan Gabanyi im Schumanns persönlich geschüttelt.
Unterwegs war ich dann 13 Stunden, davon 12 auf dem Roller. Nicht ganz so bequem wie dieser Herr:
Bei einem Zwischenstop kontrollierte ich die Befestigung der neuen Stoßdämpfer und bemerkte dabei glücklicherweise, daß sich die Mutter der Hinterradachse gelöst hatte und kurz vorm runterfallen war. Der Raupenfahrer lieh mir dann einen Schlüssel zum festziehen.
Recht seltsam fand ich in einem Rasthaus in der Wüste, daß es als einziges Gericht frittierten Fisch gab. Bis ich drauf kam, daß ja der Amur Darya nur ein paar Kilometer entfernt vorbeisumpft. Für meine Jahresdosis Schwermetalle und Pestizide ist somit ebenfalls gesorgt.
Khiva selbst ist ein traumhaftes Städtchen. Sollte ich jemals einen Film über Scheherazade machen, hier würde er gedreht.
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Federbruch

Irgendwo auf dem Weg von Tashkent nach Buchara sind die beiden hinteren Stoßdämpferfedern  zerbröselt.

Es wäre unmöglich damit die nächsten 1500 km nach Atyrau in Kasachsten zu kommen.   Es sind zum größten Teil extrem schlechte Pisten durch die Wüste. Ausserdem läuft mein Visum für Usbekistan aus – am 27. muss ich das Land verlassen haben.
Ich hatte die Wahl zu versuchen einen Lastwagen anzuheuern, der mich und Hondale zur Grenze bringt und dann die nächsten 600km wieder selbst zu fahren oder in Buchara Federbeine aufzutreiben. Mit Hilfe eines Jungen vom Guesthouse haben wir den halben Tag die Bazare durchforstet und schließlich zwei chinesische Stoßdämpfer gefunden, die leider etwas zu groß sind. Nach einem weiteren halben Tag Suche nach den passenden Schrauben, haben wir sie Hondale schließlich mühevoll reingequetscht.

Ich hoffe sie halten jetzt bis Atyrau, wo ich mir dann die Original Federbeine hinschicken lasse.

Das Radlager wackelt auch schon etwas. Sind halt schon extreme Belastungen für einen kleinen Roller. Aber die letzten 14000 km hat er sich ja bestens gehalten.

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Kasachstan

Es hat alles geklappt: Visaverlängerung am Flughafen Tashkent inclusive. In den letzten drei Tagen bin ich dann doch etwa 1500km gefahren, nicht zuletzt, weil ich noch den Abstecher nach Türkistan zum Mausoleum von Hodscha Ahmed Yasaui machen wollte. Yasaui war ein Sufi Meister und Poet, der im 12.Jhdt. den Großteil seines Lebens in Türkistan verbrachte. Das Mausoleum wurde ihm im 14.Jhdt von Timur dem Lahmen, errichtet. Timur oder Tamerlan war auch so eine Zierde der Menschheit. Von Indien bis Konstantinopel verbreitete er Angst und Schrecken. Wenn er eine Stadt geplündert und seine Einwohner massakriert hatte und sich die Stadt dann im Laufe der Jahre doch wieder aufrappelte, kam er zurück und zerstörte sie nochmal. Trotzdem wird sein Andenken hochgehalten, vor allem in Usbekistan. Einen Großteil der erbeuteten Reichtümer steckte er ja schließlich in den glanzvollen Aufbau Samarkands. Hier sein Grab:Ich bin doch etwas müde, also hier nur ein paar Fotos von der Steppenfahrt.

Mein Steppenarbeitsplatz:


Steppenmarterl:
Steppenlimoservice:
Steppenberieselungsaltar:
Trotz größter Anstrengungen, meine ornithologischen Forschungen voranzutreiben, ist hier das einzige Exemplar der kasachischen Steppenschwalbe zu sehen, das ich mit meinem Helm einfangen konnte:

Und zu guter Letzt ein herzhaftes Besäufnis mit meinem Steppenbruder Ulugbek.

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Kirgisische Marterl

Was Anzahl und Formenreichtum der Marterl anlangt, liegt Kirgistan noch vor Griechenland. Wie gesgt, sie fahren, wie sie früher mal ritten. Aber ein Audi, BMW oder Mercedes hat halt ein paar schwer zu bändigende Pferde mehr unter der Haube. Und die Staßen sind von Schlaglöchern, Spurrillen und Bodenwellen übersäät.

Seit Przewalskis Grab am Issik Kül gehts für mich wieder westwärts. Die nächsten zwei oder drei Tage fahre ich über Kasachstan nach Tashkent in Usbekistan und versuch am Flughafen eine Visaverlängerung für Usbekistan zu bekommen. Wenns mir gelingt, kann ich eher gemütlich die 2700km durch Wüste und Steppe über Buchara, Khiva, Nukus und Atyrau nach Astrakhan in Russland fahren. Wenn nicht, muss ich die ungemütlichere Strecke durch Kasachstan via Baikonur, Aqtöbe und Oral nach Atyrau nehmen. Sind nur 100km mehr, aber sehr schlechte Strassen. Und heiss wirds auf beiden Strecken. Wasser und Benzin für etwa 800km muß ich ohnehin bunkern. Melde mich in ein paar Tagen wieder.

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Sprachlos

Als eine der wenigen Ärgernisse dieser Reise empfinde ich meine Sprachlosigkeit.

Von der Türkei bis Kirgisien hätte türkisch viel geholfen. Von Georgien an dann auch russisch. In Bishkek sprechen selbst die Kirgisen untereinander russisch. Wenigstens die Schrift kann ich langsam lesen, aber spätestens vor einem mehrseitigen Menu in kyrillisch bin ich restlos aufgeschmissen.
Mein Sprachführer ‚Russisch für Globetrotter‘ stammt ja noch aus den 80iger Jahren. Darin wird zwar unter Anderem empfohlen, daß man am besten zu zweit einkaufen gehen soll: Einer steht an der Kasse, der andere an der Ladentheke an und die Zeit beim Anstehen solle man nutzen um ein Schwätzchen mit den anderen Wartenden zu halten.
Aber aus Gründen, die anzunehmen nicht schwer fallen, fehlen die Wörter für Hammel-, Rind,- oder Schweinefleisch völlig. Also beschränkt sich jetzt meine Essensbestellung etwas und ich greife auf das lautmalerische Schaschlik Muuuh oder Schaschlik Bääähh zurück.

Immerhin kann ich auf die obligatorische Frage:’Atkuda?‘, von Germanja an alle durchreisten Länder runterrattern, was mir dann auch meistens einen in Anerkennung aufgestellten Daumen einbringt. Auch wenn sich eine Traube Neugieriger um Hondale bildet und die Fragen nach Benzinverbrauch und Höchstgeschwindigkeit auftauchen, kann ich sie noch halbwegs beantworten.

Aber die großen Fragen der Menschheit, wie zum Beispiel:’Warum reisen wir?‘ oder: ‚ Warum, zum Teufel, fehlt beim Schaschlik schon wieder der Knoblauchessig?‘ kann ich mit meinem Wortschatz leider nicht ergründen.

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Pferde und Mützen

Ein Eintrag speziell für unseren pfälzischen, pferdenärrischen Teil der Familie. Pferd satt, sozusagen.

Im Hintergrund der Issik Kül

In kleinen Herden, ohne Fussfesseln und ohne Aufpasser grasen sie sich entlang der Bergweiden des Tien Shan.Irgendwann holt sie dann der Ernst des Lebens ein, sie werden verkauft und geritten.

Auf dem Land sind Pferde immer noch ein Teil des alltäglichen Lebens, werden aber immer öfter abgelöst durch Audi, Mercedes, BMW und Vw (Hier sind mehr deutsche Autos im Strassenbild zu sehen als in Deutschland) Und jetzt fahren sie ihre Autos, wie sie früher über die Steppe fegten.

Die Pferdehändler habe ich nur fotografiert um die Umformung der Kirgiesenmütze über die Baseballmütze zur kirgisischen Baseballmütze, aus Wollfilz und bestickt, zu zeigen.Und, wir ließen es uns nicht nehmen zum Grab von Nikolai Przewalski (1839 – 1888) zu pilgern, dem russischen Naturforscher, Ehrenmitglied der Dresdner Geographischen Gesellschaft und Entdecker des nach ihm benannten Pferdes.

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Tash Rabat

Endlich  habe ich wieder eine Navigatorin.

 Wichtig bei den vielfältigen Möglichkeiten sich zu verfahren.

 Wir sind auf dem Weg nach Tash Rabat, einer alten Karawanserei im Tien Shan Gebirge, kurz vor der chinesischen Grenze. Die Strasse über den Torugartpass wird grad von den Chinesen zusammen mit den Kirgiesen ausgebaut. Wahrscheinlich, um noch schneller Rohstoffe aus Zentral Asien nach China einführen, und um noch mehr billige Kleider, Elektronik- und Plastikschrott nach Kirgistan ausführen zu können.

 In Tash Rabat blieben wir die Nacht in einer Jurte des Aufsehers. Rosi hatte ja ihre ganz persönliche Regenwolke aus Schliersee mirgebracht und die lies es bis kurz vor unserer Jurte schneien. Der Dungofen brachte zwar schnell eine behagliche Wärme, die sich aber nach ein paar Stunden durch die Ritzen wieder komplett verflüchtigt hatte. Ich hatte kaum geschlafen und so verließen wir Tash Rabat ziemlich fluchtartig und mit allen Kleidern am Körper, die wir mithatten.

 Rosis Wolke bescherte uns dann am nächsten Pass eine seifenartige Schlammpiste, auf die wir uns dann auch prompt hinlegten.

 Ich hab natürlich mit meinem ersten Umfaller gewartet bis Rosi mit dabei war. Ich will ihr ja was bieten. Und legte dabei einen Spagat hin, der einer 16jährigen Kunstturnerin zur Ehre gereicht hätte.

 

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